Die utilitaristische Philosophie ist der Ansicht, das Ziel staatlicher Politik solle in größerem Glück für eine größere Zahl von Menschen bestehen. Dieser moralische Grundsatz stößt auf zahlreiche Einwände. Aus pragmatischer Sicht gilt er als nicht praktikabel, aus ideologischer als nicht erstrebenswert. So spielt dieses Prinzip in der Politik denn auch nur eine marginale Rolle. In diesem Aufsatz betrachte ich diese philosophischen Bedenken im Licht neuerer empirischer Forschungen zur Zufriedenheit mit dem eigenen Leben. Die Daten zeigen zunächst einmal, dass dieses Prinzip durchaus praktikabel ist. Unter den heutigen Bedingungen ist es sehr wohl möglich, das Glück einer großen Zahl zu sichern und es sogar zu vergrößern. Die Daten zeigen auch, dass die Förderung des Glücks sehr gut mit anderen Idealen vereinbar ist. Glück erfordert Bedingungen, denen wir auch sonst Wert beimessen, zum Beispiel Freiheit, und es fördert Dinge, die uns wichtig sind, zum Beispiel Gesundheit und zivilisiertes Verhalten. In der Theorie kann Glück zwar mit diesen Werten in Konflikt geraten, doch in der Praxis scheint es gut zu ihnen zu passen.

Gedrag & Maatschappij, Sociale verandering, sociale processen en sociale conflicten, Sociologie, Sociology
Köningssteiner Forum Societäts- Verlag
978-3-942921-57-2
hdl.handle.net/1765/38644
Publieshed in: D. Doring and E.J.M. Kroker (Ed), Vom Glück, Köningssteiner Forum Societäts- Verlag, Frankfurt am Main, 2012, pp. 101-146
Erasmus School of Social and Behavioural Sciences

Veenhoven, R. (2012). Grösseres Glück, fur eine grössere Zahl: Ist das möglich und erstrebenswert? Neue ergebnisse der glücksforschung. In Vom Glück. Köningssteiner Forum Societäts- Verlag. Retrieved from http://hdl.handle.net/1765/38644